Rechtsextremismus Studie

VIAK eV Waiblingen

22.06.2007 Nicht die Existenz rechtsextremer Gruppen ist das eigentliche Problem, sondern eine politische Kultur, die eine Akzeptanz gegenüber dem Rechtsextremismus entwickelt, so das Fazit der Studie.

Der von den Waiblinger IG Metall-Bevollmächtigten gegründete Verein VIAK hat Professor Josef Held von der Universität Tübingen mit einem Forschungsprojekt zum "Rechtsextremismus und sein Umfeld" beauftragt.

Die Studie sollte die Einflüsse und Bedingungen erforschen, welche rechtsextreme Einstellungen fördern. Neben den Wahlergebnissen der NPD und der Republikaner im Rems-Murr-Kreis wurde der Verein durch Meldungen aufmerksam, nachdem zehn Prozent der landesweit registrierten Skinheads in diesem Kreis zu finden seien.

Die interessierende Frage war, was gibt es für besondere Bedingungen die diese rechtsextremen Einstellungen fördern. Antworten dazu gibt die jetzt der Öffentlichkeit vorgestellte Studie:

Professor Held räumt zuerst mit der Vorstellung auf, dass Skinheads die Rechtsextremen seien. Solche Vereinfachungen greifen zu kurz und lenken gleichzeitig von der starken Ausdifferenzierung des rechtsextremen Milieus ab.

Für den untersuchten Kreis kommen die Forscher zu der Feststellung:
"Die politische Kultur in der Region ist durch eine rechtsgerichtete Stimmung geprägt." Eine "Desintegrationsproblematik" lässt sich in diesem Kreis als Erklärung für Rechtsextremismus nicht feststellen.

Dagegen haben strukturelle Faktoren, wie Betrieb, Schule, Familie und Freizeit und soziale Faktoren, wie Geschlecht, Bildung und Herkunft eine wichtige Bedeutung für die Entwicklung der politischen Kultur.

In den Betrieben konnten keine das rechtsextreme Milieu fördernde Strukturen festgestellt werden.

Vier typische Haltungen gegenüber den Rechtsextremen können festgelegt werden. Es sind die "Individualisten", die "Kritischen", die "Lokalorientierten" und die "Sympathisanten". Jede dieser Haltungen kann in unterschiedlicher Weise den Rechtsextremismus begünstigen.

Eine starke lokale Orientierung begünstigt die Entwicklung rechter politischer Orientierungen. Lokale und Segmentäre Orientierung verbunden mit starker Familien- und Cliquenbildung stellen einen Cocktail dar, der die Ausbreitung und Akzeptanz rechtsextremistischen Gedankenguts begünstigt.

Wichtig ist, so die Forscher, der Unterschied zwischen Rechtsextremisten diesseits und jenseits einer roten Linie, das heißt der Linie zwischen Legalität und Illegalität. Beide weisen aber eine Durchlässigkeit untereinander auf.

Als Fazit lässt sich feststellen:

Nicht die Existenz rechtsextremer Gruppen ist das eigentliche Problem, sondern eine politische Kultur, die eine Akzeptanz gegenüber dem Rechtsextremismus entwickelt.

Eine ausführlichere Pressemitteilung und eine Erklärung des Verein VIAK zu den Erkenntnissen der Studie, sowie die Studie kann als PDF-Datei geladen werden.

Letzte Änderung: 17.12.2007

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